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Gnade

Von verared | 16.November 2018

Ein so großes und mächtiges Wort. Vielleicht auch etwas aus der Zeit gefallen, denn wer spricht denn heute noch von Gnade, wenn man sich nicht gerade in kirchlichen Bereichen bewegt?

Und dennoch gibt es sie – diese Momente der Gnade ­ auch mitten im Alltag. Für mich ist Gnade etwas, was mir zu Teil wird, ohne dass ich etwas dafür tun muss. Sie hat eine größere und weitere Dimension als nur die kleinen, glücklichen Zufälle, die uns widerfahren – obwohl diese gelegentlich auch voller Gnade sein können.

„Gnade ist, wenn eine göttliche Kraft für einen Augenblick die irdischen Gesetze aufhebt.“ So hat es eine ältere Nonne mal formuliert.

Eine Rettung in großer Not.

Das nicht planbare Zusammentreffen vieler Faktoren, die vollkommen unmöglich Erscheinendes auf einmal möglich macht.

Wege, die sich unerwartet öffnen.

Neue Erkenntnisse, die unvermittelt geschenkt werden, und die alles ändern.

Wenn nach langen Zeiten des Grolls und der Vorwürfe Vergebung aus ganzem Herzen möglich wird.

Wenn Heilung – auf welchen Ebenen auch immer – geschehen darf.

 

Der Theologe Paul Tillich sagte in einer Predigt über Gnade:

 „Sie trifft uns, wenn wir in großer Qual und Unruhe sind… (…) Zuweilen bricht in einem solchen Augenblick eine Welle von Licht in unsere Finsternis ein, und es ist, als ob eine Stimme sagt: Du bist dennoch bejaht. Dennoch bejaht, bejaht durch das, was größer ist als du und dessen Namen du nicht kennst. Frage jetzt nicht nach diesem Namen, vielleicht wirst du ihn später finden. Nimm nur dies an: Du bist bejaht.“

 

Was ist Gnade für dich?

Wann hast du so etwas wie Gnade erfahren?

(Die Kommentarfunktion hier im Blog ist leider vorübergehend deaktiviert, aber ich lese eure Gedanken gerne in Mails an  info@therapeutic-touch-bartholomay.com.

Bildquelle: Pixabay

„So sterben wir. Unser Ende und was wir darüber wissen sollten.“ – Buchempfehlung

Von verared | 13.November 2018

Am Ende des Lebens

So sterben wir

Roland Schulz – Journalist bei der Süddeutschen Zeitung, Zeit und Geo – hat schwierige Fragen aufwendig recherchiert und findet Worte für fast Unaussprechbares.

Er hat das kleine Wunder vollbracht, dieses tabubelegte Thema ganz nüchtern, praktisch und pragmatisch und dennoch sehr einfühlsam, tiefgründig und berührend zu beschreiben.

„Sterben entblößt dich, bis auf den Kern, bis allein bleibt, wie du wahrhaft bist, abseits aller Rollen, ohne jede Maske. Einige erschreckt das zutiefst. Andere fragen sich, warum ihnen das erst jetzt glückt.“

Wie reagieren Menschen auf unheilbare Diagnosen? Wie gehen sie mit dem Schock um? Und wie kann man sich auf das Sterben vorbereiten?

Was verändert sich nach und nach in einem sterbenden Körper?

Was geschieht in den Stunden nach dem Tod?

Was machen Bestatter genau? Was kann man selbst entscheiden und gestalten?

Welche behördlichen Schritte werden eingeläutet?

Wie trauern wir? Wie leben wir weiter, wenn ein lieber Mensch verstorben ist?

 

Dieses Buch geht uns allen an. Unbedingt lesen!

 

Roland Schulz: „So sterben wir. Unser Ende und was wir darüber wissen sollten.“

Piper Verlag, München 2018, 20 EUR

 

Dieser Beitrag ist Teil 41 von 41 der Serie Buch- und Filmempfehlungen

„Musik ist in Klang gegossenes Gebet.“

Von verared | 19.Oktober 2018

 

Klang ist Gebet

 

Martin Schleske ist Geigenbaumeister. Diese Worte stehen auf seiner Website. Und genauer kann seine Arbeit auch nicht in wenigen Worten beschrieben werden.

Schon lange möchte ich einige Worte über Martin Schleske schreiben, aber das Lesen seiner Bücher zieht sich so lange hin. Nicht, weil sie langweilig wären. Ganz im Gegenteil. Ich lese wenige Seiten und brauche dann lange Zeit, um darüber nachzudenken und die Worte zu verdauen, bevor ich weiter lesen kann.

Warum bin ich von den Büchern eines Geigenbauers so fasziniert?

Er beschreibt die verschiedenen Phasen des Geigenbaus und deren besonderen Notwendigkeiten in einer Art und Weise, dass wir Leser gleich in die großen Lebens-und Glaubensfragen hineingezogen werden. Es sind zutiefst philosophische Texte, die immer wieder auch von manchmal recht ekstatischen religiösen Erfahrungen und Gedanken geprägt sind. Kein Buch für Menschen, die mit einem persönlichen religiösen Weg nichts anfangen können (oder gerade doch?). Für alle anderen werden diese Bücher jedoch ganz viele Türen öffnen zu Gedankenräumen, in denen man sich lange aufhalten möchte.

Beide Bücher werden noch lange griffbereit bei mir liegen, damit ich immer wieder darin blättern und kleine Perlen rausgreifen kann.

 

 

Der Klang: Vom unerhörten Sinn des Lebens

Kösel Verlag, 2010. Mittlerweile in der 11. Auflage

22,00 EUR

 

Herztöne: Lauschen auf den Klang des Lebens

Adeo Verlag, 2016. EUR 22,99

Hiervon gibt es auch eine gekürzte Ausgabe für 10,00 EUR.

Dieser Beitrag ist Teil 40 von 41 der Serie Buch- und Filmempfehlungen

„Kompass des Lebens“ – Buchempfehlung

Von verared | 27.September 2018

 

Mit diesem Buch hat die Religionswissenschaftlerin und Ethnologin Ursula Seghezzi eine Art „Landkarte der zyklischen Bewegungen des Lebens“ geschrieben. Mit ihrem fundierten Wissen über alte Kulturen, Mythen und Bräuche zeigt sie uns eine klare Verbindung zu unserer heutigen Welt.
Was steht für uns in den einzelnen Lebensphasen an? Was soll gelernt und umgesetzt werden? Wo sind die Stolperfallen, die eine gesunde Entwicklung bremsen können?
Ein sehr umfangreiches Buch, das langsam gelesen und verdaut werden will. Und ein gutes Nachschlagewerk für die jeweiligen Entwicklungsphasen und Lebensthemen.

Ursula Seghezzi – Kompass des Lebens: Eine Reise durch die menschliche Natur
van Eck Verlag, 2012, 37 EUR

Dieser Beitrag ist Teil 39 von 41 der Serie Buch- und Filmempfehlungen

Mitten im Leben sterben

Von verared | 27.September 2018

Rose - Sterben

Q: Pixabay

Ich bin schon „gestorben“ – auch wenn ich noch lebe. Ich spreche nicht von einem Nahtod-Erlebnis. Ich spreche vom wiederholten Sterben mitten im Leben. Von Krisen und Umbrüchen, die nicht einfach weitere kleine oder größere Lebenskrisen waren, sondern bei denen ich das Gefühl hatte, ich sterbe ein Stück weit als die Person, die ich bis dahin war.

So etwas stellst du nicht mittendrin fest. Mittendrin ist nur Verzweiflung, Schmerz und Angst. Erst später, viel später, weißt du, dass du in diesem Moment, in dieser Lebensphase tatsächlich „gestorben“ bist. Ein großer, wichtiger Teil von dir ist aus deinem Leben getreten. Was dabei neu entsteht, weißt du noch lange nicht.

Nicht immer ist etwas im Außen geschehen. Nicht immer ist es für andere nachvollziehbar. Mal ist es aber ein Schock, eine Krankheit, ein schwerer Abschied. Es kann auch eine Geburt sein oder ein mystisches Erlebnis. Ein einschneidendes Lebensereignis, aus dem du verändert hervorgehst.

Danach gehst du auf zittrigen Beinen durch die Welt. Die Erde trägt dich noch nicht ganz zuverlässig, der Boden schwankt etwas. Du bist empfindlich und überreagierst, bist hautlos und so verletzbar. Du lernst die Struktur deines neuen Gewebes erst kennen. Vieles ist verwirrend und unverständlich.

Dein Alltag kommt dir fremd vor. Alte Gewohnheiten haben an Freude und Farbe verloren. Es wird eine Weile dauern, bis du die neuen Farben wirklich sehen kannst. Für eine Weile ist Winter in dir. Du kannst nur hoffen, dass alles bereit liegt für das Frühlingserwachen, das diesmal so strahlend und überwältigend sein wird wie nie zuvor.

Denn erst später, viel später, wirst du feststellen, dass du Dinge tust und sagst, die in dieser Intensität vorher nicht denkbar waren. Du bist vielleicht geradliniger, klarer, essentieller, tiefsinniger, unerbittlicher oder kämpferischer geworden. Du diskutierst vieles nicht mehr. Dein Weg ist jetzt klarer.

 

Zeiten des Wandels

Von verared | 6.September 2018

Q: Vera Bartholomay

Vielleicht hast du in diesem Sommer irgendwann an einem Fluss gesessen und beobachtet, wie ein Stück altes Holz langsam dahin treibt. Dann dreht es sich plötzlich um und fließt mit der anderen Seite nach oben weiter. Was ist geschehen? Irgendwas in der Struktur und Dichte des Holzstücks hat sich so verändert, dass jetzt die andere Seite leichter ist und sich nach oben wendet. Die Kräfteverhältnisse sind neu verteilt. Es würde nicht gelingen, das Holzstück einfach wieder umzudrehen und wie vorher schwimmen zu lassen. Der Weg zurück ist ausgeschlossen.

Auch in unserem Leben ändern sich Strukturen und führen zu Veränderungen, die wir nicht immer beeinflussen können. Manche davon sind gewünscht oder gar herbeigesehnt, andere überraschen uns oder bringen eine Störung oder gar eine Verstörung mit sich. Auch wenn uns die alte Lage besser gefallen haben sollte und so viel vertrauter war, müssen wir jetzt mit der neuen Situation umgehen.

Vielleicht erkennen wir im Rückblick, dass die Veränderung für uns gut war.

Vielleicht war es gar eine richtig tiefe und notwendige Transformation.

Vielleicht war es für uns keine gute Entwicklung und wir müssen dennoch lernen, mit den neuen Gegebenheiten umzugehen.

Vielleicht haben wir noch gar nicht wirklich realisiert, dass eine Veränderung bereits stattgefunden hat, stellen aber fest, dass wir etwas verwirrt oder seltsam dünnhäutig sind. Und fragen uns, was los sein könnte.

 

Wie können wir gut mit Veränderungen umgehen?

Erst einmal ist es wichtig, bewusst wahrzunehmen, dass eine Veränderung überhaupt stattgefunden hat.

Dann sollten wir klären, was nicht mehr für uns sein wird und bewusst davon Abschied nehmen, auch wenn es schmerzt.

Gleichzeitig sollten wir uns aber auch ein erstes Bild davon machen, was stattdessen mit großer Wahrscheinlichkeit in unser Leben kommt.

Dabei ist es auch wichtig, mögliche körperliche Reaktionen ernst zu nehmen und auf die Signale aus unserem Unterbewusstsein zu achten. Gibt es besondere Träume, Gefühle oder Wahrnehmungen?

Wäre es sinnvoll, Menschen zu suchen, die unterstützen können?

Brauchen wir neues Wissen – sozusagen eine neue Landkarte?

Und dann – hoffentlich recht bald – können wir die jetzt notwendigen Schritte vorbereiten und den neuen Weg antreten.

 

Das indianische Lebensrad als Wegbegleiter

Von verared | 29.August 2018

Auch in Europa gab es Steinkreisrituale (Q: Pixabay)

Indianisches Wissen – ist das nicht zu fremd, um wirklich gut für mich zu sein? Was hat es denn eigentlich mit meinem Leben zu tun? Diese Fragen stellst du dir vielleicht, wenn du von einem solchen Thema hörst.

Es klingt erst mal fremd, und natürlich kommt es aus einem ganz anderen Kulturkreis. Aber kaum ein Modell für unser Leben und unsere Entscheidungen ist dichter an einem pragmatischen Alltag als das Lebensrad – auch „indianisches Medizinrad“ genannt. Seit Jahrtausenden benutzen nordamerikanische Indianer dieses Modell für große Entscheidungen und in Krisenzeiten. Dafür haben sie rituelle Orte geschaffen, wo solche „Räder“ als Steinkreise aufgebaut sind. Lange galten diese Riten als Geheimwissen.

Ich benutze dieses Modell sehr gerne, wenn meine Klienten in ihrer Entwicklung nicht wirklich gut weiterkommen. Und auch bei meinen eigenen Problemen, zur Entscheidungsfindung oder wenn ich Klarheit in einem Wust an Argumenten und Umständen brauche.

Eine große Hilfe dabei ist, dass wir in diesem Modell auch über den Körper gehen. Und unser Körper kann uns noch weniger was vormachen als unser Kopf. Und die Schritte auf dem Klärungsweg sind ganz klar vorgegeben, sodass wir nicht die Möglichkeit haben, zwischen den ganzen Argumenten und Tatsachen hin und her zu hüpfen.

Vielleicht stehen große Veränderungen an, hast du ein hartnäckiges Problem oder gar eine belastende Krankheit. Was macht es mit dir? Wo zögerst du? Wo hängst du fest? Wo gehen Kräfte verloren? Welche Gefühle oder Ängste stehen im Weg? Warum fällt eine Entscheidung so schwer?

Die vier Haupt-Lebensbereiche werden zurate gezogen: das Intellekt, der Körper, die Gefühle und die Spiritualität.

Wir stellen uns Fragen nach Vergangenheit und Zukunft, nach der Auswirkung unserer Fragen und Entscheidungen auf die nächsten Generationen.

Und in der Regel verlässt niemand einen Weg durch das Lebensrad, ohne eine klare Entscheidung getroffen zu haben und konkrete Schritte vor sich zu sehen, denn das Lebensrad hat eine transformative Kraft.

Magst du dabei sein?

Für dich selbst oder zur Anwendung in der therapeutischen Arbeit.

Seminar in Berlin-Schöneberg am 27.-28. Oktober 2018

Keine Vorkenntnisse erforderlich.

Kosten: 270 EUR (Frühbucherpreis 250 EUR bis 11.9.18)

Anmeldung und Info:  info@therapeutic-touch-bartholomay.com

 

Zeitlosigkeit

Von verared | 29.Juni 2018

Uhr

Bildquelle: Pixabay

Klingt es verlockend? Eine Weile so richtig zeitlos leben können….

Die wenigsten von uns gönnen sich das regelmäßig. Oft noch nicht mal im Urlaub. Und so ganz einfach ist es auch nicht. Je nach Freizeit-oder Urlaubsgestaltung sind dort viele zeit-getaktete Aktivitäten eingeplant. Und wir sind auch in den vermeintlich freien Zeiten noch lange von einem getakteten Alltag geprägt. Vielleicht merkst du erst, wenn eine Wanduhr stehen geblieben ist oder du dein Handy ausgeschaltet hast, wie oft du am Tag da hingeschaut hast, wie oft du dich innerlich in ein Zeitsystem einordnen wolltest, obwohl es vielleicht an dem Tag gar nicht notwendig war.

Meine erholsamsten Tage sind die wirklich zeitlosen. Tage, an denen nichts geschehen muss. Ich kann Bücher lesen, spazieren gehen, in den Himmel schauen, reden, schweigen…. Nur das, wonach mir gerade zumute ist.

Irgendwann einfach vergessen, welcher Wochentag heute ist. Nur am Licht erkennen, ob der Tag noch viele Stunden bereithält. Vergessen, dass da draußen ein Weltgeschehen stattfindet. Dass irgendetwas noch wichtig sein könnte.

Eine kleine Oase der Zeitlosigkeit.

 

Brennt dein Feuer?

Von verared | 2.Juni 2018

Feuer brennt

Q: Pixabay

Das Feuer hat auch im Sommer eine magische Anziehungskraft – ob es die Grillstelle im Garten ist oder das Lagerfeuer am Strand.

Hast du dir eigentlich schon mal Gedanken gemacht, wie man ein Feuer aufbaut?

Innen muss Papier oder leichtbrennbare kleine Zweige oder Baumrinde sein, dann kommen die ganz kleinen Holzstücke, die leicht Feuer fangen und erst außen die wirklich großen. Und dazwischen immer wieder ganz viel Platz und Luft. Ohne diese Zwischenräume kann das Feuer nicht stark werden, nicht für lange Zeit brennen.

Die Pausen in unserem Alltag sind solche Zwischenräume. Wenn du sie dir nicht nimmst, wird dein Feuer schnell erlöschen. Wenn du dein Feuer nicht gut vorbereitet hast – die kleinen Dinge, die schnell Feuer fangen, nach innen – die großen Dinge, die dauerhaft brennen können, nach außen – wird dein Feuer nicht lange andauern.

Wo befindest du dich gerade im Aufbau deiner Feuerstelle?

Sammelst du Kleinholz?

Hast du schon große Holzscheite gehackt und gespalten?

Hast du auch an die Zwischenräume gedacht?

Was sollen die Flammen für dich bewirken?

Trinkt blau

Von verared | 27.April 2018

Bildquelle: Vera Bartholomay

 

trinkt blau

trinkt nicht kummer!

schreibt Kurt Marti in einem seiner Gedichte.

Wie sehr steht das jetzt an nach diesem wirklich grauen Winter. Wir sind ja regelrecht ausgehungert nach einem klaren, strahlenden Himmel.

Aber der blaue Himmel nährt nicht nur durch die Helligkeit. Was ist es an diesem Blau, das uns so sehr in eine andere Dimension hineinzieht – ja, ich behaupte sogar, das die Fähigkeit hat, unsere Seelen ein Stück weit zu öffnen und Flügel zu verleihen?

Zu meinen wichtigsten Plänen für die kommenden Monate gehört auf jeden Fall das „blau trinken“ und mich dann überraschen lassen, was sich alles öffnet und zeigt. Für dich vielleicht auch?

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