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Die Insel verlassen

Von Vera Bartholomay | 23.August 2016

Die Insel verlassen Bildquelle: Vera Bartholomay

Die Insel verlassen
Bildquelle: Vera Bartholomay

 

Ich bin auf einer Insel an der südnorwegischen Küste aufgewachsen. Und das Inselgefühl ist schon etwas Besonderes – das können vielleicht nur Menschen nachvollziehen, die diese Erfahrung weit über einen kurzen Urlaub hinaus gemacht haben. Denn „eine Insel bewegt sich nicht, auch wenn sie bebt, wenn Himmel und Erde sich in Umwälzung befindet, eine Insel geht nie unter, (…) sie ist unverrückbar und ewig, fest mit der Erdkugel verbunden.“  schreibt der norwegische Autor Roy Jacobsen.

In diesem Sommer haben wir mein Kindheitshaus (wie das Elternhaus auf Norwegisch heißt) zum Verkauf leergeräumt, da meine Mutter in eine kleine Wohnung auf dem Festland gezogen ist. Damit ist aber auch mein fester Heimatpunkt auf dieser Insel nicht mehr da und es ist Zeit, die Insel nicht nur körperlich, sondern ein Stück weit auch im Herzen zu verlassen.

Dabei schreibt Roy Jacobsen:

„Niemand kann eine Insel verlassen, eine Insel ist ein Kosmos in einer Nussschale, wo die Sterne im Gras unter dem Schnee schlafen. Aber es kommt vor, dass es jemand versucht. Und an einem solchen Tag weht ein langsamer Ostwind.“

Diese schönen Sätze aus seinem Buch „Die Unsichtbaren“ sagen mehr aus, als das Verlassen einer konkreten Insel.

Wir leben alle in einem Inselkosmos. In einer kleinen vertrauten Welt – egal ob dein aktueller Wohnort eine riesige Großstadt oder ein kleines Dorf ist. Die tägliche Welt hat einen klaren Rahmen, feste Beziehungen, Inhalte,  Landschaftsstrukturen und Gebäude, vertraute Gerüche, Geräusche und Ausblicke.

Aber eines Tages regt sich etwas in dir und du weißt, es ist Zeit, diese Insel zu verlassen. Ohne zu wissen, wohin du dann kommst und was aus dir wird. An solchen Tagen sollte „ein langsamer Ostwind wehen“. Sollte eine Kraft vorhanden sein, die dich in eine bestimmte Richtung führt und trägt, die dir etwas Starthilfe gibt und dich daran hindert, dein Vorhaben gleich wieder aufzugeben. Dabei ist dein Verlassen der Insel nicht unbedingt mit einem Wechsel des Wohnorts verbunden, sondern bedeutet vielleicht eine kleinere oder größere Veränderung in deinem Leben, die jetzt aber eindeutig und vielleicht gar drängend ansteht.

Mit diesem Thema werden wir uns auch im Seminar „Mutige Schritte – Veränderungen bewusst gestalten“  beschäftigen. Für alle, die etwas Navigationshilfe brauchen und sich gern vom „Ostwind“ einer Gruppe stärken lassen wollen. (Nähere Infos und Termine:  http://therapeutic-touch-bartholomay.com/termine/)

Stehst du vielleicht auch kurz davor, deine Insel zu verlassen? Oder befindest du dich schon auf dem offenen Meer? Was bewegt dich dabei? Welche Gedanken machst du dir?

 

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Topics: Lebensfragen, Norwegen, Persönlichkeitsentwicklung, Seminare, Therapeutic Touch | 2 Kommentare »

2 Kommentare to “Die Insel verlassen”

  1. Elisabeth Wienecke meint:
    23.August 2016 at 08:15

    Liebe Vera,

    als ich gerade Deine mail las war ich tief berührt…
    ich bin auch dabei meine „Insel“ zu verlassen…
    das Haus in dem unsere Kinder groß geworden sind,wird nach 20 Jahren so langsam immer leerer. Mein Mann ist schon voraus gegangen, wir ziehen um nach Süddeutschland.
    ich schwebe im Moment im luftleeren Raum.
    Komisches Gefühl, manchmal kaum auszuhalten.
    Dennoch weiß ich:
    alles wird neu, ich kann mich neu erfinden.
    Loslassen macht irgendwann auch frei…

    Danke für den Ostwind….
    Bis zum nächsten Mal alles Liebe
    Elisabeth

  2. Vera Bartholomay meint:
    23.August 2016 at 09:04

    Danke, liebe Elisabeth, für diese persönlichen Worte! Der luftleere Raum ist nicht gerade angenehm, aber ich weiß aus deinen früheren Berichten auch, dass du spannende neue Inhalte und Orte vor dir hast. Der Ostwind hält eine ganze Weile an….. Gruß, Vera

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