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Mitgefühl in der Wirtschaft – Buchempfehlung

Von Vera Bartholomay | 26.Mai 2017

Buch von Tania Singer und Matthieu Ricard

Ein Forschungsbericht von Tania Singer und Matthieu Ricard

In diesem Buch diskutieren Wirtschaftsvertreter mit Neurowissenschaftlern und spirituellen Meistern darüber, ob eine Wirtschaft denkbar ist, in der es um das Wohl der Menschen geht und dabei dennoch ein wirtschaftlicher Gewinn möglich sein kann?

Das Buch ist ein Bericht von einem der regelmäßig stattfindenden Mind & Life-Konferenzen, bei denen sich Forscher und Experten mit Vertretern kontemplativer Traditionen zum interdisziplinären Austausch treffen. „Mitgefühl in der Wirtschaft“ berichtet von einer Konferenz im 2010 in Zürich. Eingeladen hatten die deutsche Neurowissenschaftlerin Tania Singer und der französischstämmige buddhistische Mönch Matthieu Ricard. Unter den Gästen war auch der Dalai Lama.

Als Bericht von einer Konferenz hat das Buch die Schwäche, dass es im Prinzip aus aufgezeichneten mündlich gehaltenen Vorträgen besteht, was nicht immer eine gute Lesbarkeit sichert. Die Inhalte sind dennoch mehr als erfahrenswert.

Die Neurowissenschaftler Tania Singer und Richard Davidson berichten von Untersuchungen, die eindeutig belegen, dass Meditation und Mitgefühlsübung spezifische Netzwerke im Gehirn und Hormonsysteme aktivieren, die mit prosozialem Verhalten verbunden sind. Mitgefühl ist also erlernbar und verändert nicht nur unsere Gehirnstruktur, sondern auch unser Erleben und Verhalten.

Der Mönch Mattieu Ricard erläutert Mitgefühl aus buddhistischer Sicht.

Der Mikroökonom Ernst Fehr beschäftigt sich mit der Frage, ob wirklich nur Eigennutz und Eigeninteresse die Menschen motivieren.

Die ehemalige Vorsitzende der Schweizer Börse, Antoinette Hunziker-Ebneter, erklärt, wie Investmentgesellschaften soziale und ökologische Unternehmen fördern können.

Der Inder Sanjit Roy erläutert das Konzept der „Barefoot Colleges“ – ein alternatives Bildungssystem, das das schon vorhandene Wissen in der ärmeren Bevölkerung wertschätzt und nutzt, um Bildung für eine breite Bevölkerungsschicht zu ermöglichen. So werden zum Beispiel Frauen zu Solaringenieurinnen ausgebildet, obwohl sie Analphabeten sind. Die „Barefoot Colleges“ überspringen das alte Konzept von Bildung und schauen, welches Wissen auf welcher Weise vermittelt werden kann – zum Wohle aller in der Gemeinschaft. Die Solaringenieurinnen sorgen später dafür, dass ihre Dörfer mit Solarenergie versorgt werden, meist Dörfer, in denen bislang keine Stromversorgung vorhanden war. Interessanterweise bilden sie am liebsten Frauen für diese Aufgabe aus. Männer seien unbeständiger und würden gern auch ihr neu erworbenes Wissen woanders „gewinnbringender“ verkaufen, während Frauen – und darunter sogar vor allem die  Großmütter – sich stärker für die Entwicklung der eigenen Dörfer einsetzen.

Allein in Indien und Pakistan haben sie mehrere hundert Schulen gegründet, die ganz stark auch auf die Ausbildung von Mädchen fokussiert  – gerade in Indien keine Selbstverständlichkeit ­  – und die sich nach den Lernmöglichkeiten der Kinder richtet. So findet beispielsweise viel Unterricht nachmittags und abends statt, weil die Kinder tagsüber ihren Eltern bei der Feldarbeit helfen. So erfolgreich ist das Konzept der „Barefoot Colleges“ bisher, dass es mittlerweile auch in 35 afrikanischen Ländern umgesetzt wurde.

Viele interessante Gedanken und Anregungen. Es bleibt zu hoffen, dass viele Wirtschaftsvertreter auch wirklich hingehört haben……

 

Mitgefühl in der Wirtschaft

Tania Singer und Matthieu Ricard

Knaus Verlag, 2015, Preis: 16,99 EUR

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Dieser Beitrag ist Teil 6 von 32 der Serie Buch- und Filmempfehlungen

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Topics: Bücher, Glück, Inspirationen, Lebensfragen, Spiritualität | Kein Kommentar »

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