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Mitten im Leben sterben

Von verared | 27.September 2018

Rose - Sterben

Q: Pixabay

Ich bin schon „gestorben“ – auch wenn ich noch lebe. Ich spreche nicht von einem Nahtod-Erlebnis. Ich spreche vom wiederholten Sterben mitten im Leben. Von Krisen und Umbrüchen, die nicht einfach weitere kleine oder größere Lebenskrisen waren, sondern bei denen ich das Gefühl hatte, ich sterbe ein Stück weit als die Person, die ich bis dahin war.

So etwas stellst du nicht mittendrin fest. Mittendrin ist nur Verzweiflung, Schmerz und Angst. Erst später, viel später, weißt du, dass du in diesem Moment, in dieser Lebensphase tatsächlich „gestorben“ bist. Ein großer, wichtiger Teil von dir ist aus deinem Leben getreten. Was dabei neu entsteht, weißt du noch lange nicht.

Nicht immer ist etwas im Außen geschehen. Nicht immer ist es für andere nachvollziehbar. Mal ist es aber ein Schock, eine Krankheit, ein schwerer Abschied. Es kann auch eine Geburt sein oder ein mystisches Erlebnis. Ein einschneidendes Lebensereignis, aus dem du verändert hervorgehst.

Danach gehst du auf zittrigen Beinen durch die Welt. Die Erde trägt dich noch nicht ganz zuverlässig, der Boden schwankt etwas. Du bist empfindlich und überreagierst, bist hautlos und so verletzbar. Du lernst die Struktur deines neuen Gewebes erst kennen. Vieles ist verwirrend und unverständlich.

Dein Alltag kommt dir fremd vor. Alte Gewohnheiten haben an Freude und Farbe verloren. Es wird eine Weile dauern, bis du die neuen Farben wirklich sehen kannst. Für eine Weile ist Winter in dir. Du kannst nur hoffen, dass alles bereit liegt für das Frühlingserwachen, das diesmal so strahlend und überwältigend sein wird wie nie zuvor.

Denn erst später, viel später, wirst du feststellen, dass du Dinge tust und sagst, die in dieser Intensität vorher nicht denkbar waren. Du bist vielleicht geradliniger, klarer, essentieller, tiefsinniger, unerbittlicher oder kämpferischer geworden. Du diskutierst vieles nicht mehr. Dein Weg ist jetzt klarer.

 

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