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Die Kunst des Wartens

Von Vera Bartholomay | 7.November 2015

Reifen lassen

Wartezeit

Winterzeit ist Wartezeit und Rückzugszeit. Für manche kaum auszuhalten, für andere pure Erholung.
In dieser Zeit reifen Ideen im Verborgenen heran. Es will etwas entstehen und wir wissen noch nicht genau, was es später sein wird.

Jean-Claude Lin beschreibt in der Zeitschrift a-tempo Rudolf Steiners Gedanken über den Umgang mit Ideen und Einfällen: „Allzu oft neigen wir dazu, eine Idee sogleich nach deren Einfall mitteilen zu wollen, statt abzuwarten und mit zu beobachten, wie sie sich – falls es sich um eine «kleine Idee» handelt – über vier Stufen und eine zeitliche Folge von viermal sieben Tage verwandelt. Dann könnten wir beobachten, wie eine Idee für die Welt heranreift, «sodass wir das, was wir erst geboren und von den Göttern haben taufen lassen, nun der Welt übergeben dürfen als unser eigenes». Für größere Ideen ergäben sich längere Zeiträume der Aufmerksamkeit für ihr inneres Reifwerden für die Welt: viermal sieben Wochen oder gar viermal sieben Jahre. Ein solches Warten ist eine Kunst und muss gekonnt sein. Es kann aber auch geübt und gelernt werden.“

Ahnst du schon, welche Ideen in dir heranreifen? Kannst du warten und die Ideen reifen lassen?

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Topics: Inspirationen, Lebensfragen | 2 Kommentare »

2 Kommentare to “Die Kunst des Wartens”

  1. Andrea meint:
    7.November 2015 at 11:00

    Liebe Vera,
    Warten, bei-sich-behalten und Reifenlassen erlebe ich gerade als nicht so angesagt. Schnell und immer kreativere Ideen in die Welt geben erscheint mir in.
    Manchmal gibt es in mir eine Stimme, die sich sehr klar dazu äußert, wann ich etwas in die Welt geben soll. Eigentlich ist alles bereit um es auszusäen und trotzdem fehlt noch etwas, dass der Zeitpunkt stimmt.
    Und die Stimmen von außen gibt es ja öfter auch, wenn die Idee zum Reifen auch andere Sichtweisen braucht und von daher schon ein wenig aus dem Ei herausgeschaut hat. Wann machst du es denn endlich? ist dann die Frage von anderen, die im Inneren gut abgewägt werden muss.
    In unserer schnell lebigen Zeit dürfen ja schon oft die Babys nicht mehr dann kommen, wenn sie es für richtig halten.
    Das Üben für das Finden des rechten Zeitpunkts bringt Entschleunigung und ein Horschen in sich, wann denn „mein Baby“ natürlich in die Welt möchte.
    Welch eine hohe Kunst!

  2. Vera Bartholomay meint:
    7.November 2015 at 12:34

    Liebe Andrea!
    Für alles gibt es eine Zeit – für das schnelle „in die Welt bringen“ und für das Warten. Ich bin sicher, dass dein „Baby“ genau den richtigen Zeitpunkt spürt und dann auch sehr willkommen ist…
    Herzlichst, Vera

Kommentare

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